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Begriffe rund um Vergaberecht und Bauausschreibungen

Von A wie Angebotsfrist bis Z wie Zuschlagskriterien – kompaktes Nachschlagewerk für Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Planungsbüros.

78Begriffe14Kategorien

Vergabeverfahren — Kernbegriffe

Ausschreibung
Öffentliche oder begrenzte Aufforderung zur Angebotsabgabe für eine Bau-, Liefer- oder Dienstleistung.
Vergabe / Vergabeverfahren
Der gesamte rechtlich geregelte Prozess von Veröffentlichung bis Auftragserteilung.
Submission
Termin, zu dem alle Angebote gleichzeitig geöffnet werden. Bei Bauleistungen nach VOB öffentlich; Bieter dürfen anwesend sein.
Zuschlag / Zuschlagserteilung
Verbindliche Auftragsvergabe an den ausgewählten Bieter.
Auftragsbekanntmachung
Offizielle Veröffentlichung einer Ausschreibung mit Leistungsumfang, Fristen, Eignungs- und Zuschlagskriterien. Über EU-Schwelle Pflicht auf TED, sonst auf nationalen Portalen.
Vorinformation
Frühe Ankündigung geplanter Vergaben auf TED, ermöglicht Bietern Vorbereitung. Pflicht bei verkürzten Fristen.
Vorabinformation
Information an unterlegene Bieter vor Zuschlagserteilung gemäß § 134 GWB. Löst die Stillhaltefrist aus.
Ex-ante-Transparenzbekanntmachung
Freiwillige Veröffentlichung einer beabsichtigten Direktvergabe. Verhindert nachträgliche Unwirksamkeitserklärung des Vertrags.
Ex-post-Bekanntmachung
Pflichtveröffentlichung des Auftragsergebnisses auf TED innerhalb 30 Tagen nach Zuschlag (Auftragnehmer, Auftragswert, Bieterzahl).

Verfahrensarten

Offenes Verfahren
Jedes Unternehmen darf direkt ein Angebot abgeben. Keine vorherige Bewerbung.
Nicht offenes Verfahren
Zweistufig — Teilnahmewettbewerb mit Eignungsprüfung, dann Angebotsphase mit ausgewählten Bewerbern (typisch 5+).
Verhandlungsverfahren (mit/ohne Teilnahmewettbewerb)
Auftraggeber und Bieter verhandeln über Preise, Leistungen, Konditionen. Bei Architekten- und Ingenieurleistungen Standard.
Wettbewerblicher Dialog
Iterativer Dialog mit Bietern zur Lösungsentwicklung; danach finales Angebot. Für komplexe Beschaffungen (große IT-Projekte, ÖPP).
Innovationspartnerschaft
Verfahren zur Entwicklung innovativer Produkte/Leistungen mit anschließender Beschaffung.
Direktvergabe / Verhandlungsvergabe
Auftrag ohne förmliches Verfahren bei kleinen Auftragswerten oder Sonderfällen.
Beschränkte Ausschreibung
Nur ausgewählte Unternehmen werden aufgefordert. Im VOB-Bereich 2026 erweiterte Grenzen (€ 150.000 ohne Teilnahmewettbewerb in vielen Ländern). [VERIFY 2026]
Teilnahmewettbewerb
Erste Stufe zweistufiger Verfahren — Teilnahmeanträge mit Eignungsnachweisen.

Vergabedokumente

Leistungsverzeichnis (LV)
Detaillierte, positionsweise Aufstellung aller Bauleistungen mit Mengen, Einheiten, Beschreibungen — Kalkulationsgrundlage des Bieters.
Vergabeunterlagen
Gesamte Dokumentation einer Ausschreibung: Bekanntmachung, Spezifikation, LV, Vertragsentwurf, Eignungs- und Zuschlagskriterien.
Eignungsnachweise
Belege fachlicher, technischer und wirtschaftlicher Eignung (Referenzen, Bilanzen, Versicherungen, Zertifikate).
Hauptangebot
Angebot, das exakt den Vergabeunterlagen entspricht. Abweichungen verwandeln es in ein Nebenangebot.
Nebenangebot
Alternative Lösung des Bieters, nur zulässig wenn in der Bekanntmachung erlaubt.
Nachunternehmererklärung
Erklärung, welche Leistungsteile durch Nachunternehmer erbracht werden. Pflicht nach § 36 VgV.
EVB-IT
Standardisierte Vertragsmuster für IT-Beschaffungen des Bundes (Cloud, Kauf, Service, Dienstleistung). Pflicht bei Bundesbehörden, faktischer Standard auf Länderebene.
eForms
Seit Oktober 2023 einheitliches, maschinenlesbares Bekanntmachungsformat auf TED — ersetzt 25 Vorgängerformulare.
Bietererklärung
Sammelbegriff für Selbstauskünfte (Eignung, Tariftreue, Steuern, etc.).
EEE — Einheitliche Europäische Eigenerklärung
Standardformular zur Vor-Eigenerklärung der Eignung in EU-weiten Verfahren. Originalbelege erst bei Zuschlagsabsicht.

Fristen und Termine

Angebotsfrist
Frist zur Angebotsabgabe. Mindestens 35 Tage (offenes Verfahren), 30 Tage (nicht offenes). Mit elektronischer Bereitstellung um 5 Tage reduzierbar. Verspätete Angebote sind zwingend auszuschließen.
Bewerbungsfrist / Teilnahmefrist
Frist für Teilnahmeanträge im zweistufigen Verfahren — mind. 30 Tage; bei Dringlichkeit 15.
Bindefrist
Zeitraum, in dem Bieter an ihr Angebot gebunden sind. Typisch 30–60 Tage.
Stillhaltefrist
10 Tage (E-Mail) bzw. 15 Tage (Post/Fax) zwischen Vorabinformation und Zuschlag — Frist für Nachprüfungsanträge unterlegener Bieter.
Zuschlagsfrist
Zeitraum, in dem der Auftraggeber den Zuschlag erteilen muss. Typisch 30–60 Tage. Bei Verzug Rücktrittsrecht des Bieters.
Einspruchsfrist / Rügefrist
10 Tage zur Rüge eines Vergabefehlers, dann 15 Tage zur Antragstellung bei der Vergabekammer. Versäumnis = Verlust aller Rechtsschutzmöglichkeiten.
Lieferfrist
Vertraglich zugesicherter Liefer-/Fertigstellungstermin. Verstöße: Vertragsstrafen, Schadensersatz, Kündigungsrechte.

Eignung und Qualifikation

Eignungskriterien
Mindestanforderungen vor Angebotswertung — fachliche, technische, wirtschaftliche Eignung. Typisch: Referenzen, Mindestumsatz, Versicherungssumme, Mitarbeiterzahl.
Zuschlagskriterien
Bewertungsmaßstäbe der Angebote — Preis, Qualität, Konzept, Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten. Gewichtungen müssen offen gelegt sein.
Präqualifizierung (PQ-VOB / PQ-Verein)
Einmalige Eignungsprüfung durch eine Präqualifizierungsstelle. Spart bei jeder einzelnen Bewerbung die Vorlage von Eignungsnachweisen. Kosten typ. € 300–500/Jahr.
AVPQ (Amtliches Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen)
IHK-geführtes Verzeichnis für Liefer-/Dienstleister. Bundesweit anerkannt. Kosten typ. € 150–350/Jahr.
Eignungsleihe
Bieter beruft sich auf Eignung eines Drittunternehmens (z. B. Mutterkonzern, Partner). Schriftliche Verpflichtungserklärung erforderlich.

Rechtsgrundlagen

Vergaberecht — Hierarchie
GWB (Grundgesetz des Vergaberechts) → VgV / VOB/A (EU-Schwelle) → UVgO / VOB/A (national).
GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)
VgV (Vergabeverordnung)
- Gilt oberhalb EU-Schwellenwerten für Liefer- und Dienstleistungen.
VOB/A, /B, /C (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)
UVgO (Unterschwellenvergabeordnung)
Regelt Liefer-/Dienstleistungen unterhalb der EU-Schwellen. Flexiblere Verfahren, kürzere Fristen, kein Vergabekammer-Rechtsschutz.
KonzVgV
Konzessionsvergabe (Auftragnehmer trägt Betriebsrisiko). EU-Schwelle € 5,4 Mio.
SektVO
Sektorenverordnung — Versorger, Verkehr, Energie. Flexibler als klassische Vergaben. Schwellenwert € 432.000. [VERIFY 2026]
HOAI
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Regelt zulässige Honorarsätze für Planungsleistungen.
GEG (Gebäudeenergiegesetz)
Bundesgesetz zur Energieeffizienz von Gebäuden. Häufig Bestandteil von Sanierungs-LVs.
Tariftreuegesetz (Bundes- und Landesgesetze)
Verpflichtung öffentlicher Auftraggeber, Aufträge nur an Unternehmen zu vergeben, die Tariflöhne zahlen.
KI-Verordnung (EU AI Act)
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Schwellenwerte und Wertgrenzen

EU-Schwellenwerte 2026
Auftragsvolumen / Losaufteilung
Bei Loslosen zählt die Summe aller Lose für die Schwellenwertbestimmung.

Klassifizierung und Codes

CPV-Code (Common Procurement Vocabulary)
8-stelliger EU-Klassifikationscode für jede Auftragsart. Beispiele: 45000000 (Bauleistungen), 45200000 (Hoch-/Tiefbau), 71000000 (Architektur/Ingenieurleistungen), 72000000 (IT).
NUTS-Codes (Nomenclature des unités territoriales statistiques)
EU-Regionalcodes — NUTS-1 (Bundesland), NUTS-2 (Regierungsbezirk), NUTS-3 (Kreis/kreisfreie Stadt).

Digitale Vergabe

eVergabe / Elektronische Vergabe
Seit 2018/2020 für oberschwellige Verfahren Pflicht — Angebote werden ausschließlich elektronisch über zertifizierte Plattformen abgegeben.
Vergabeportal
Online-Plattform zur Veröffentlichung und Einreichung von Angeboten. Deutschland hat kein zentrales Portal — Bieter müssen mehrere im Blick haben (Hauptgrund für brixl).
Elektronische Signatur
Im Vergaberecht meist Textform ausreichend (seit 2016). Manche Auftraggeber fordern weiterhin QES (Qualifizierte Elektronische Signatur) — Vergabeunterlagen prüfen.
GAEB
Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen — deutscher Standard für elektronischen Datenaustausch bei Bauleistungen. GAEB-Dateien (Endung typ. .X86, .D86) übertragen LVs strukturiert.

Rollen und Akteure

Auftraggeber / Vergabestelle
Bund, Länder, Kommunen, sowie öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe (§ 98 GWB).
Bieter / Bewerber
Bauherr
Eigentümer/Auftraggeber des Bauvorhabens (kann auch privat sein).
Generalunternehmer (GU)
Übernimmt Bauwerk schlüsselfertig, beauftragt Nachunternehmer. In öffentlichen Bauvergaben durch § 97 GWB Losaufteilungspflicht eingeschränkt.
Generalübernehmer (GÜ)
Wie GU, aber ohne eigene Bauleistung — reine Koordinierung.
Bietergemeinschaft (ARGE)
Zusammenschluss mehrerer Unternehmen zur gemeinsamen Angebotsabgabe — gesamtschuldnerische Haftung gem. § 278 BGB. Bietergemeinschafts-Erklärung erforderlich.
Bauleiter
Verantwortet Ausführung auf der Baustelle. Häufig brixl-Endnutzer in mittelständischen GUs.
Architekt / Planungsbüro
Erstellt Entwurf, Ausführungsplanung, LV. Häufig brixl-Endnutzer im Planer-Segment.

Gewerke

Hochbau
Oberirdische Gebäudeteile.
Tiefbau
Bauwerke unter Boden- bzw. Wasseroberfläche (Straßen, Kanäle, Brücken, Tunnel).
Rohbau
Tragende Konstruktion ohne Innenausbau.
Ausbau
Innenausbau (Trockenbau, Estrich, Bodenbeläge, Türen, Fenster).
TGA / Gebäudetechnik
Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik, Gebäudeautomation.
Fassade / Dach / Sanierung / energetische Ertüchtigung
- Siehe HeroMockup-Beispiele in `messages/de.json` für realistische Sprache.

Rechtsschutz

Vergabekammer
Erstinstanzliche Nachprüfungsbehörde. Entscheidet binnen 5 Wochen, kann Vergabeverfahren aufheben. Zuständig nur bei EU-Schwellenwertüberschreitung.
Nachprüfungsverfahren
Rechtsweg unterlegener Bieter — 10-Tage-Rüge → 15-Tage-Antrag bei Vergabekammer → ggf. OLG/BGH.
Rügepflicht
Erkannte Vergabefehler müssen unverzüglich (≤ 10 Tage) gerügt werden. Verspätung = Rechtsverlust.

Vertragsformen

Rahmenvertrag / Rahmenvereinbarung
Vertrag über wiederkehrende Leistungen, Laufzeit typ. bis 4 Jahre. Single-Supplier oder Multi-Partner mit Mini-Wettbewerben.

Sonstige Begriffe

Bieterfragen
Aufklärungsanfragen zu den Vergabeunterlagen. Bieter haben Recht auf Beantwortung — Antworten werden allen Teilnehmern bereitgestellt (Gleichbehandlung).
Nachhaltige Beschaffung
Auftraggeber dürfen / müssen zunehmend ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Zertifikate (Blauer Engel etc.) verbessern die Bewertung.