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Begriffe rund um Vergaberecht und Bauausschreibungen
Von A wie Angebotsfrist bis Z wie Zuschlagskriterien – kompaktes Nachschlagewerk für Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Planungsbüros.
79Begriffe14Kategorien
Vergabeverfahren — Kernbegriffe
- Ausschreibung
- Öffentliche oder begrenzte Aufforderung zur Angebotsabgabe für eine Bau-, Liefer- oder Dienstleistung.
- Vergabe / Vergabeverfahren
- Der gesamte rechtlich geregelte Prozess von Veröffentlichung bis Auftragserteilung.
- Submission
- Termin, zu dem alle Angebote gleichzeitig geöffnet werden. Bei Bauleistungen nach VOB öffentlich; Bieter dürfen anwesend sein.
- Zuschlag / Zuschlagserteilung
- Verbindliche Auftragsvergabe an den ausgewählten Bieter.
- Auftragsbekanntmachung
- Offizielle Veröffentlichung einer Ausschreibung mit Leistungsumfang, Fristen, Eignungs- und Zuschlagskriterien. Über EU-Schwelle Pflicht auf TED, sonst auf nationalen Portalen.
- Vorinformation
- Frühe Ankündigung geplanter Vergaben auf TED, ermöglicht Bietern Vorbereitung. Pflicht bei verkürzten Fristen.
- Vorabinformation
- Information an unterlegene Bieter vor Zuschlagserteilung gemäß § 134 GWB. Löst die Stillhaltefrist aus.
- Ex-ante-Transparenzbekanntmachung
- Freiwillige Veröffentlichung einer beabsichtigten Direktvergabe. Verhindert nachträgliche Unwirksamkeitserklärung des Vertrags.
- Ex-post-Bekanntmachung
- Pflichtveröffentlichung des Auftragsergebnisses auf TED innerhalb 30 Tagen nach Zuschlag (Auftragnehmer, Auftragswert, Bieterzahl).
Verfahrensarten
- Offenes Verfahren
- Jedes Unternehmen darf direkt ein Angebot abgeben. Keine vorherige Bewerbung.
- Nicht offenes Verfahren
- Zweistufig — Teilnahmewettbewerb mit Eignungsprüfung, dann Angebotsphase mit ausgewählten Bewerbern (typisch 5+).
- Verhandlungsverfahren (mit/ohne Teilnahmewettbewerb)
- Auftraggeber und Bieter verhandeln über Preise, Leistungen, Konditionen. Bei Architekten- und Ingenieurleistungen Standard.
- Wettbewerblicher Dialog
- Iterativer Dialog mit Bietern zur Lösungsentwicklung; danach finales Angebot. Für komplexe Beschaffungen (große IT-Projekte, ÖPP).
- Innovationspartnerschaft
- Verfahren zur Entwicklung innovativer Produkte/Leistungen mit anschließender Beschaffung.
- Direktvergabe / Verhandlungsvergabe
- Auftrag ohne förmliches Verfahren bei kleinen Auftragswerten oder Sonderfällen.
- Beschränkte Ausschreibung
- Nur ausgewählte Unternehmen werden aufgefordert. Im VOB-Bereich 2026 erweiterte Grenzen (€ 150.000 ohne Teilnahmewettbewerb in vielen Ländern).
- Teilnahmewettbewerb
- Erste Stufe zweistufiger Verfahren — Teilnahmeanträge mit Eignungsnachweisen.
Vergabedokumente
- Leistungsverzeichnis (LV)
- Detaillierte, positionsweise Aufstellung aller Bauleistungen mit Mengen, Einheiten, Beschreibungen — Kalkulationsgrundlage des Bieters.
- Vergabeunterlagen
- Gesamte Dokumentation einer Ausschreibung: Bekanntmachung, Spezifikation, LV, Vertragsentwurf, Eignungs- und Zuschlagskriterien.
- Eignungsnachweise
- Belege fachlicher, technischer und wirtschaftlicher Eignung (Referenzen, Bilanzen, Versicherungen, Zertifikate).
- Hauptangebot
- Angebot, das exakt den Vergabeunterlagen entspricht. Abweichungen verwandeln es in ein Nebenangebot.
- Nebenangebot
- Angebot des Bieters mit einer vom Leistungsverzeichnis abweichenden technischen oder wirtschaftlichen Lösung — nur wertbar, wenn der Auftraggeber Nebenangebote zugelassen hat.
- Nachunternehmererklärung
- Erklärung, welche Leistungsteile durch Nachunternehmer erbracht werden. Pflicht nach § 36 VgV.
- EVB-IT
- Standardisierte Vertragsmuster für IT-Beschaffungen des Bundes (Cloud, Kauf, Service, Dienstleistung). Pflicht bei Bundesbehörden, faktischer Standard auf Länderebene.
- eForms
- Seit Oktober 2023 einheitliches, maschinenlesbares Bekanntmachungsformat auf TED — ersetzt 25 Vorgängerformulare.
- Bietererklärung
- Sammelbegriff für Selbstauskünfte (Eignung, Tariftreue, Steuern, etc.).
- EEE — Einheitliche Europäische Eigenerklärung
- Standardformular zur Vor-Eigenerklärung der Eignung in EU-weiten Verfahren. Originalbelege erst bei Zuschlagsabsicht.
Fristen und Termine
- Angebotsfrist
- Zeitraum, in dem Bieter ihr Angebot einreichen dürfen; endet mit dem Submissionstermin. National bei Bauleistungen mindestens 10 Kalendertage, EU-weit im offenen Verfahren 35 Tage (30 bei elektronischer Bereitstellung). Verspätete Angebote sind grundsätzlich auszuschließen.
- Bewerbungsfrist / Teilnahmefrist
- Frist für Teilnahmeanträge im zweistufigen Verfahren — mind. 30 Tage; bei Dringlichkeit 15.
- Bindefrist
- Zeitraum nach Ablauf der Angebotsfrist, in dem Bieter an ihr Angebot gebunden bleiben und der Auftraggeber den Zuschlag erteilen kann. Bei nationalen Bauvergaben sollen es nicht mehr als 30 Kalendertage sein; in EU-Verfahren sind 60 bis 90 Tage üblich.
- Stillhaltefrist
- 10 Tage (E-Mail) bzw. 15 Tage (Post/Fax) zwischen Vorabinformation und Zuschlag — Frist für Nachprüfungsanträge unterlegener Bieter.
- Zuschlagsfrist
- Zeitraum, in dem der Auftraggeber den Zuschlag erteilen muss. Typisch 30–60 Tage. Bei Verzug Rücktrittsrecht des Bieters.
- Einspruchsfrist / Rügefrist
- 10 Tage zur Rüge eines Vergabefehlers, dann 15 Tage zur Antragstellung bei der Vergabekammer. Versäumnis = Verlust aller Rechtsschutzmöglichkeiten.
- Lieferfrist
- Vertraglich zugesicherter Liefer-/Fertigstellungstermin. Verstöße: Vertragsstrafen, Schadensersatz, Kündigungsrechte.
Eignung und Qualifikation
- Eignungskriterien
- Mindestanforderungen vor Angebotswertung — fachliche, technische, wirtschaftliche Eignung. Typisch: Referenzen, Mindestumsatz, Versicherungssumme, Mitarbeiterzahl.
- Zuschlagskriterien
- Bewertungsmaßstäbe der Angebote — Preis, Qualität, Konzept, Nachhaltigkeit, Lebenszykluskosten. Gewichtungen müssen offen gelegt sein.
- Präqualifizierung (PQ-VOB / PQ-Verein)
- Einmalige Eignungsprüfung durch eine Präqualifizierungsstelle. Spart bei jeder einzelnen Bewerbung die Vorlage von Eignungsnachweisen. Kosten typ. € 300–500/Jahr.
- AVPQ (Amtliches Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen)
- IHK-geführtes Verzeichnis für Liefer-/Dienstleister. Bundesweit anerkannt. Kosten typ. € 150–350/Jahr.
- Eignungsleihe
- Bieter beruft sich auf Eignung eines Drittunternehmens (z. B. Mutterkonzern, Partner). Schriftliche Verpflichtungserklärung erforderlich.
Rechtsgrundlagen
- Vergaberecht — Hierarchie
- GWB (Grundgesetz des Vergaberechts) → VgV / VOB/A (EU-Schwelle) → UVgO / VOB/A (national).
- GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen)
- Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen — sein Teil 4 (§§ 97–184) bildet die gesetzliche Grundlage des Vergaberechts oberhalb der EU-Schwellenwerte, einschließlich des Nachprüfungsverfahrens.
- VgV (Vergabeverordnung)
- Vergabeverordnung — regelt Vergabeverfahren oberhalb der EU-Schwellenwerte für Liefer- und Dienstleistungen; für Bauleistungen verweist sie auf den EU-Abschnitt der VOB/A.
- VOB/A, /B, /C (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen)
- Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen — Teil A regelt das Vergabeverfahren, Teil B die Allgemeinen Vertragsbedingungen, Teil C die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (DIN 18299 ff.).
- UVgO (Unterschwellenvergabeordnung)
- Regelt Liefer-/Dienstleistungen unterhalb der EU-Schwellen. Flexiblere Verfahren, kürzere Fristen, kein Vergabekammer-Rechtsschutz.
- KonzVgV
- Konzessionsvergabe (Auftragnehmer trägt Betriebsrisiko). EU-Schwelle € 5,4 Mio.
- SektVO
- Sektorenverordnung — Versorger, Verkehr, Energie. Flexibler als klassische Vergaben. Schwellenwert € 432.000.
- HOAI
- Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Regelt zulässige Honorarsätze für Planungsleistungen.
- GEG (Gebäudeenergiegesetz)
- Bundesgesetz zur Energieeffizienz von Gebäuden. Häufig Bestandteil von Sanierungs-LVs.
- Tariftreuegesetz (Bundes- und Landesgesetze)
- Verpflichtung öffentlicher Auftraggeber, Aufträge nur an Unternehmen zu vergeben, die Tariflöhne zahlen.
- KI-Verordnung (EU AI Act)
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Schwellenwerte und Wertgrenzen
- EU-Schwellenwerte 2026
- Auftragswerte, ab denen öffentliche Aufträge EU-weit ausgeschrieben werden müssen — für Bauleistungen seit 1. Januar 2026: € 5.404.000 netto.
- Auftragsvolumen / Losaufteilung
- Bei Loslosen zählt die Summe aller Lose für die Schwellenwertbestimmung.
Klassifizierung und Codes
- CPV-Code (Common Procurement Vocabulary)
- 8-stelliger EU-Klassifikationscode für jede Auftragsart. Beispiele: 45000000 (Bauleistungen), 45200000 (Hoch-/Tiefbau), 71000000 (Architektur/Ingenieurleistungen), 72000000 (IT).
- NUTS-Codes (Nomenclature des unités territoriales statistiques)
- EU-Regionalcodes — NUTS-1 (Bundesland), NUTS-2 (Regierungsbezirk), NUTS-3 (Kreis/kreisfreie Stadt).
Digitale Vergabe
- eVergabe / Elektronische Vergabe
- Seit 2018/2020 für oberschwellige Verfahren Pflicht — Angebote werden ausschließlich elektronisch über zertifizierte Plattformen abgegeben.
- Vergabeportal
- Online-Plattform zur Veröffentlichung und Einreichung von Angeboten. Deutschland hat kein zentrales Portal — Bieter müssen mehrere im Blick haben (Hauptgrund für brixl).
- Elektronische Signatur
- Elektronisches Pendant zur Unterschrift nach der eIDAS-Verordnung. Für Angebote genügt im Vergaberecht meist die Textform; manche Auftraggeber fordern eine fortgeschrittene oder qualifizierte elektronische Signatur (QES) — maßgeblich sind die Vergabeunterlagen.
- GAEB
- Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen — deutscher Standard für elektronischen Datenaustausch bei Bauleistungen. GAEB-Dateien (Endung typ. .X86, .D86) übertragen LVs strukturiert.
Rollen und Akteure
- Auftraggeber / Vergabestelle
- Bund, Länder, Kommunen, sowie öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke, Krankenhäuser, Verkehrsbetriebe (§ 98 GWB).
- Bieter / Bewerber
- Bieter reichen ein Angebot ein, Bewerber einen Teilnahmeantrag in der ersten Stufe zweistufiger Verfahren.
- Bauherr
- Eigentümer/Auftraggeber des Bauvorhabens (kann auch privat sein).
- Generalunternehmer (GU)
- Übernimmt Bauwerk schlüsselfertig, beauftragt Nachunternehmer. In öffentlichen Bauvergaben durch § 97 GWB Losaufteilungspflicht eingeschränkt.
- Generalübernehmer (GÜ)
- Wie GU, aber ohne eigene Bauleistung — reine Koordinierung.
- Nachunternehmer
- Unternehmen, das im Auftrag des Haupt- oder Generalunternehmers Teile der Bauleistung ausführt, ohne selbst Vertragspartner des Auftraggebers zu werden.
- Bietergemeinschaft (ARGE)
- Zusammenschluss mehrerer Unternehmen zur gemeinsamen Angebotsabgabe — gesamtschuldnerische Haftung gem. § 278 BGB. Bietergemeinschafts-Erklärung erforderlich.
- Bauleiter
- Verantwortet Ausführung auf der Baustelle. Häufig brixl-Endnutzer in mittelständischen GUs.
- Architekt / Planungsbüro
- Erstellt Entwurf, Ausführungsplanung, LV. Häufig brixl-Endnutzer im Planer-Segment.
Gewerke
- Hochbau
- Oberirdische Gebäudeteile.
- Tiefbau
- Bauwerke unter Boden- bzw. Wasseroberfläche (Straßen, Kanäle, Brücken, Tunnel).
- Rohbau
- Tragende Konstruktion ohne Innenausbau.
- Ausbau
- Innenausbau (Trockenbau, Estrich, Bodenbeläge, Türen, Fenster).
- TGA / Gebäudetechnik
- Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik, Gebäudeautomation.
- Fassade / Dach / Sanierung / energetische Ertüchtigung
- Siehe HeroMockup-Beispiele in messages/de.json für realistische Sprache.
Rechtsschutz
- Vergabekammer
- Erstinstanzliche Nachprüfungsbehörde. Entscheidet binnen 5 Wochen, kann Vergabeverfahren aufheben. Zuständig nur bei EU-Schwellenwertüberschreitung.
- Nachprüfungsverfahren
- Rechtsweg unterlegener Bieter — 10-Tage-Rüge → 15-Tage-Antrag bei Vergabekammer → ggf. OLG/BGH.
- Rügepflicht
- Erkannte Vergabefehler müssen unverzüglich (≤ 10 Tage) gerügt werden. Verspätung = Rechtsverlust.
Vertragsformen
- Rahmenvertrag / Rahmenvereinbarung
- Vertrag über wiederkehrende Leistungen, Laufzeit typ. bis 4 Jahre. Single-Supplier oder Multi-Partner mit Mini-Wettbewerben.
Sonstige Begriffe
- Bieterfragen
- Aufklärungsanfragen der Bieter zu den Vergabeunterlagen. Bieter haben Recht auf Beantwortung — Antworten werden allen Teilnehmern bereitgestellt (Gleichbehandlung).
- Nachhaltige Beschaffung
- Auftraggeber dürfen / müssen zunehmend ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Zertifikate (Blauer Engel etc.) verbessern die Bewertung.