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Bauausschreibungen finden 2026: Der Komplettguide für Bauunternehmen

Öffentliche Bauaufträge finden: Pflichtportale, CPV-Codes, regionale Vergabeplattformen und Suchstrategien für Bauunternehmen in Deutschland.

Von , Veröffentlicht am 25.04.20267 Min. Lesezeit

Öffentliche Bauaufträge finden bedeutet 2026 weiterhin, mehrere Quellen im Blick zu behalten. Es gibt in Deutschland kein zentrales Portal, das jede Ausschreibung von Bund, Ländern, Kommunen, Stadtwerken und anderen öffentlichen Auftraggebern vollständig abbildet.

Wer einen Bauauftrag finden will, hat deshalb zwei Optionen: jede Bekanntmachung manuell auf einem Dutzend Plattformen prüfen — oder die richtigen Quellen und Filter so kombinieren, dass nur passende Verfahren übrig bleiben. Dieser Leitfaden erklärt die Pflichtportale, die wichtigsten CPV-Codes und eine Suchstrategie, die sich im Alltag wiederholen lässt.

Wo Bauausschreibungen veröffentlicht werden — die Portal-Landschaft

Wo eine Bauausschreibung erscheint, hängt vor allem vom geschätzten Auftragswert und vom Auftraggeber ab. Oberhalb des EU-Schwellenwerts von 5.404.000 € netto bei Bauleistungen (2026/2027) ist die EU-weite Bekanntmachung auf TED Pflicht. Darunter gelten nationale und landesrechtliche Regeln; die Veröffentlichung verteilt sich auf Bundes-, Landes-, Kommunal- und kommerzielle Vergabeplattformen.

Praktisch heißt das: Oberhalb der EU-Schwelle gibt es mit TED eine verlässliche Pflichtquelle. Unterhalb der Schwelle reicht kein einzelnes Portal für den gesamten deutschen Markt.

Bereich Typische Quelle Abdeckung
EU-weite Bauvergaben TED Pflicht oberhalb von 5.404.000 € netto
Bund und kooperierende Plattformen service.bund.de Nationale Bekanntmachungen und Importe, aber nicht jede Vergabe
Länder und Kommunen Landesportale, DTVP, subreport, Vergabe24 Je nach Auftraggeber und Bundesland
Kleine Direktaufträge keine öffentliche Bekanntmachung Unterhalb der jeweils geltenden Direktauftragsgrenze

1. TED (Tenders Electronic Daily) — EU-Ebene

TED ist die amtliche Bekanntmachungsplattform der EU. Bauaufträge ab 5.404.000 € netto müssen dort EU-weit veröffentlicht werden. Das betrifft etwa große Hochbau-, Tiefbau-, Sanierungs- und Infrastrukturprojekte.

Vorteil: einheitliches Format (seit Oktober 2023 eForms), maschinenlesbar, RSS-Feeds verfügbar. Nachteil: nur Großaufträge, kein Mittelstandsgeschäft.

2. service.bund.de — Bundesebene

service.bund.de veröffentlicht nationale Ausschreibungen des Bundes und übernimmt Bekanntmachungen kooperierender Vergabeplattformen. Das macht die Suche zu einem wichtigen Einstiegspunkt, aber nicht zu einem vollständigen Verzeichnis aller deutschen Bauvergaben. Auftraggeber auf nicht angebundenen Landes- oder Kommunalplattformen erscheinen dort nicht zwingend.

3. DTVP, subreport ELViS, Vergabe24 — überregionale Plattformen

Auf diesen kommerziellen Vergabeplattformen veröffentlichen viele Kommunen und Länder ihre Bekanntmachungen:

  • DTVP (Deutsches Vergabeportal) — von cosinex betrieben, von vielen Landesbehörden und Kommunen genutzt
  • subreport ELViS — eines der ältesten Portale, starke Verbreitung im kommunalen Bereich
  • Vergabe24 — von healy hudson betrieben, Fokus auf Bayern und Süddeutschland

Welche Plattform eine Kommune oder ein Landesamt nutzt, hängt vom dortigen Beschaffungsamt ab. Es gibt keine Pflicht-Plattform.

4. Bundesland-eigene Portale

Jedes Bundesland betreibt mindestens ein eigenes Vergabeportal:

  • evergabe.NRW
  • Vergabeplattform Sachsen
  • eVergabe Bayern
  • Vergabeplattform Berlin
  • usw.

Welche zusätzlichen Veröffentlichungen erforderlich sind, hängt vom Auftragswert und den jeweiligen Vergaberegeln ab. Oberhalb der EU-Schwelle bleibt TED die Pflichtquelle; darunter kann das Landesportal die wichtigste oder einzige öffentliche Fundstelle sein. Portale, Wertgrenzen und Vergabestellen je Land haben wir in der Bundesland-Übersicht zusammengestellt — inklusive der Länder, in denen Aufträge unterhalb bestimmter Grenzen gar nicht mehr öffentlich erscheinen.

5. Kommunale Eigenportale

Größere Städte wie Hamburg, München und Berlin betreiben eigene Vergabeportale für kommunale Aufträge. Mittelstädte nutzen meist eines der überregionalen Portale oder eines des Bundeslandes.

Unter- oder oberschwellig: Was das für die Suche bedeutet

Der EU-Schwellenwert bestimmt nicht nur das Vergabeverfahren, sondern auch die verlässlichste Suchquelle:

  • Oberschwellige Bauaufträge ab 5.404.000 € netto: TED-Veröffentlichung ist Pflicht. Nationale Portale können dieselbe Bekanntmachung zusätzlich anzeigen.
  • Unterschwellige Bauaufträge: kein allgemeiner TED-Zwang. Je nach Auftraggeber erscheint die Ausschreibung auf service.bund.de, einem Landesportal oder einer kommunalen beziehungsweise kommerziellen Plattform.
  • Direktaufträge: Unterhalb der einschlägigen Wertgrenze gibt es keine öffentliche Bekanntmachung. Beim Bund liegt die Direktauftragsgrenze für Bauleistungen seit 1. Januar 2026 bei 50.000 € netto; Landesregeln können abweichen.

Für mittelständische Bauunternehmen liegt ein großer Teil der relevanten Verfahren unterhalb der EU-Schwelle. Deshalb sind Landes- und Kommunalportale genauso wichtig wie TED. Die vollständigen Werte und Regeln zur Auftragswertberechnung stehen im Leitfaden zu den EU-Schwellenwerten 2026.

Suchstrategien: Filter sind das Werkzeug

Wer alle Portale parallel überwacht, bekommt pro Tag dreistellige Trefferzahlen. Filter machen das nutzbar.

CPV-Codes — das Werkzeug für Gewerke

Der CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) ist ein 8-stelliger Klassifikationscode für jede Vergabe. Die wichtigsten für Bau:

CPV Bereich
45000000 Bauleistungen (Sammelcode)
45100000 Vorbereitung der Baustelle, Erdarbeiten
45200000 Hochbau, Tiefbau, Brückenbau
45210000 Bau von Gebäuden
45220000 Tief- und Wasserbau
45230000 Straßenbau, Rohrleitungen und sonstiger Tiefbau
45300000 Bauinstallation (TGA)
45400000 Baufertigstellung (Ausbau)
45500000 Vermietung von Baumaschinen

Wer als Tiefbauer arbeitet, filtert je nach Schwerpunkt auf 45220000, 45230000 und die jeweiligen Unterklassen. Wer im TGA-Bereich tätig ist, startet mit 45300000 und den passenden Untergruppen. Ein Generalunternehmer deckt typischerweise mehrere Hauptgruppen unter 45200000 und 45400000 ab.

Auftraggeber vergeben CPV-Codes nicht immer einheitlich. Ein Schulneubau kann unter 45214210, 45210000 oder dem allgemeinen Code 45000000 eingeordnet sein. Verlässliche Suchprofile kombinieren deshalb CPV-Codes mit Textbegriffen und einer regionalen Eingrenzung.

NUTS-Codes — das Werkzeug für Regionen

NUTS-Codes klassifizieren EU-Regionen auf drei Ebenen:

  • NUTS-1: Bundesländer (z. B. DE5 = Bremen, DE7 = Hessen)
  • NUTS-2: Regierungsbezirke
  • NUTS-3: Kreise und kreisfreie Städte (z. B. DEA22 = Köln)

Wer nur in einem Radius von 100 km um den Firmensitz arbeiten will, filtert auf die zugehörigen NUTS-3-Codes. Bei TED gehört NUTS in jede Auftragsbekanntmachung; bei nationalen Portalen ist es weniger standardisiert.

Auftragswert — das Werkzeug für Bid-Kapazität

Ein Mittelständler mit 80 Mitarbeitern bewirbt sich nicht sinnvoll auf einen 200-Mio.-€-Tunnel. Auftragswert-Filter sind das einfachste Werkzeug zur Vor-Sortierung. Faustregel: typischer Bewerbungsbereich liegt zwischen 1× und 4× des eigenen Jahresumsatzes in vergleichbaren Bauleistungen. Darunter zu klein für effizienten Aufwand; darüber Eignungs-Probleme.

Frist-Filter — das Werkzeug für Verfügbarkeit

Bewerbungen mit weniger als 14 Tagen Restfrist sind in der Praxis nur bei vorbereiteten Bauunternehmen sinnvoll. Filter auf "mindestens 21 Tage bis Submission" sortiert die unbearbeitbaren Aufträge aus.

Häufige Probleme bei der manuellen Suche

Was tatsächlich Bewerber kostet — in der Reihenfolge der Häufigkeit:

  • Aufträge tauchen zu spät auf. Manche Aggregatoren verzögern Bekanntmachungen um ein bis drei Tage. Bei kurzen Fristen ist das genug, um die Bewerbung unmöglich zu machen.
  • Duplikate. Dieselbe Ausschreibung erscheint auf TED, dem Bundeslandportal und einer überregionalen Plattform. Wer Anbieterprofile auf mehreren Portalen parallel pflegt, erhält drei E-Mails für denselben Auftrag.
  • CPV-Codes werden inkonsistent vergeben. Eine Schulneubau-Ausschreibung wird mal als 45210000 (Gebäudebau) klassifiziert, mal als 45214200 (Schulbauten), mal als 45000000 (allgemein). Wer nur einen Code abonniert, verpasst die anderen Klassifikationen.
  • Bundesland-Portale haben unterschiedliche Suchfunktionen. Manche erlauben CPV-Filter, andere nicht. Manche bieten RSS, andere nur E-Mail-Alerts. Konsistente Suchprofile über alle Portale hinweg sind in der Praxis kaum machbar.
  • Eignungsprüfung wird erst beim Treffer durchgeführt. Wer 30 Treffer pro Woche bekommt und jeden manuell auf Mindestumsatz, Referenzanforderungen, geforderte Versicherungssummen prüft, verbringt mehr Zeit mit Vorsortierung als mit Kalkulation.

Wie brixl die Suche zentralisiert

brixl ist die KI-Plattform für die deutsche Baubranche, die Bauausschreibungen aus allen öffentlichen Portalen aggregiert und mit nachvollziehbarer KI qualifiziert. Praktisch heißt das: TED, service.bund.de, DTVP, subreport, Vergabe24, die Bundesland-Portale und größere Kommunalportale laufen in eine Trefferliste zusammen. Duplikate werden automatisch deduped. Jede Ausschreibung kommt mit CPV-Code, NUTS-Region, geschätztem Auftragswert und allen Fristen — direkt sichtbar, ohne PDF zu öffnen.

Wer ein Firmenprofil in brixl hinterlegt (Gewerke, Auftragsvolumen-Bereich, Region, Eignungs-Eckwerte), bekommt nicht alle Treffer, sondern nur die, bei denen Eignungsanforderung und Firmenprofil zusammenpassen. Die Vorsortierung passiert vor dem ersten Klick.

Wer einen Treffer hat, prüft danach drei Dinge: welches Vergabeverfahren angewendet wird, ob der Auftragswert über oder unter den EU-Schwellenwerten liegt und welche Eignungsnachweise der Auftraggeber verlangt.

Häufige Fragen

Gibt es ein zentrales Portal für alle öffentlichen Bauausschreibungen in Deutschland? Nein. Bauausschreibungen verteilen sich auf eine zweistellige Zahl öffentlicher Vergabeportale plus zahlreiche Bundesland- und Kommunalplattformen. EU-weite Bekanntmachungen erscheinen zusätzlich auf TED. Eine vollständige Übersicht über alle veröffentlichten Aufträge gibt es nur über Aggregatoren oder durch manuelle Überwachung jedes einzelnen Portals.

Was ist der CPV-Code und wofür braucht man ihn? Der CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) ist ein 8-stelliger EU-weiter Klassifikationscode für jeden öffentlichen Auftrag. Beispiele: 45000000 (Bauleistungen allgemein), 45200000 (Hoch- und Tiefbau), 45300000 (Gebäudeinstallation/TGA). Wer Suchprofile auf bestimmte CPV-Codes setzt, filtert präzise auf das eigene Gewerk.

Was ist der Unterschied zwischen TED und service.bund.de? TED ist das amtliche EU-Portal für Bekanntmachungen oberhalb der EU-Schwellenwerte — bei Bauleistungen ab 5.404.000 € netto (2026/2027). service.bund.de bündelt nationale Bekanntmachungen des Bundes und Importe kooperierender Vergabeplattformen. Unterhalb der EU-Schwelle veröffentlichen viele Auftraggeber ausschließlich auf nationalen, regionalen oder kommunalen Portalen.

Welche regionalen Portale gibt es? Jedes Bundesland betreibt mindestens ein eigenes Vergabeportal — etwa evergabe.NRW, Vergabeplattform Sachsen, eVergabe Bayern. Hinzu kommen interkommunale Portale wie subreport ELViS oder Vergabe24, die Kommunalvergaben aus mehreren Bundesländern bündeln. Welche Portale relevant sind, hängt vom geografischen Aktionsradius des Bauunternehmens ab.

Wie viele Bauausschreibungen werden pro Jahr in Deutschland veröffentlicht? Über alle Wertgrenzen und Portale hinweg liegt die Zahl der jährlich öffentlich bekanntgemachten Bauausschreibungen im fünfstelligen Bereich. Allein im EU-Bereich (oberhalb 5,4 Mio. € netto) werden mehrere Tausend Bauausschreibungen aus Deutschland auf TED gemeldet. Unterhalb der EU-Schwelle ist die Zahl ein Vielfaches davon.

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