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Bauausschreibungen finden 2026: Der Komplettguide für Bauunternehmen

Öffentliche Bauausschreibungen verteilen sich in Deutschland auf Dutzende Portale. Welche es gibt, wie effiziente Suche aussieht und welche Fehler regelmäßig Aufträge kosten.

Veröffentlicht am 25.04.20265 Min. Lesezeit

Es gibt in Deutschland kein zentrales Portal für öffentliche Bauausschreibungen. Wer einen Bauauftrag finden will, hat zwei Optionen: jede Bekanntmachung manuell auf einem Dutzend Plattformen abklappern — oder die richtigen Filter so setzen, dass nur das übrig bleibt, was zur eigenen Firma passt.

Der zweite Weg ist nicht schwieriger als der erste. Er erfordert nur, dass man die Portal-Landschaft und ein paar Klassifikationscodes kennt. Beides lässt sich in einer halben Stunde lernen — und spart danach Tage pro Monat.

Wo Bauausschreibungen veröffentlicht werden — die Portal-Landschaft

Veröffentlichungspflichten richten sich nach dem Auftragswert und der Verfahrensart (§ 127 GWB). Oberhalb der EU-Schwellenwerte (5.404.000 € netto bei Bauleistungen, 2026/2027) ist die Bekanntmachung auf TED Pflicht. Darunter gelten nationale Pflichten, die je nach Auftraggeber und Bundesland variieren.

Praktisch heißt das: Bauausschreibungen erscheinen auf mehreren Ebenen parallel.

1. TED (Tenders Electronic Daily) — EU-Ebene

TED ist die zentrale Bekanntmachungsplattform der EU. Pflicht für alle Auftragswerte oberhalb der EU-Schwellenwerte. Im Bau betrifft das Großaufträge, schlüsselfertige Hochbauten ab 5,4 Mio. €, große Tiefbaumaßnahmen, Sanierungs- und Erweiterungsprojekte mit höherem Auftragswert.

Vorteil: einheitliches Format (seit Oktober 2023 eForms), maschinenlesbar, RSS-Feeds verfügbar. Nachteil: nur Großaufträge, kein Mittelstandsgeschäft.

2. service.bund.de — Bundesebene

Zentrale Bekanntmachungen aller Bundesbehörden auf service.bund.de. Unabhängig vom Auftragswert. Hier landen Aufträge des Bundesverkehrsministeriums, der Bundeswehr, des BVWP, des Auswärtigen Amts und aller weiteren Bundesoberbehörden — Bauten der Bundesimmobilien (BImA), Forschungseinrichtungen, Liegenschaften.

3. DTVP, subreport ELViS, Vergabe24 — überregionale Plattformen

Drei kommerzielle Vergabeplattformen, auf denen viele Kommunen und Länder ihre Bekanntmachungen einstellen:

  • DTVP (Deutsches Vergabeportal) — von cosinex betrieben, von vielen Landesbehörden und Kommunen genutzt
  • subreport ELViS — eines der ältesten Portale, starke Verbreitung im kommunalen Bereich
  • Vergabe24 — von healy hudson betrieben, Fokus auf Bayern und Süddeutschland

Welche Plattform eine Kommune oder ein Landesamt nutzt, hängt vom dortigen Beschaffungsamt ab. Es gibt keine Pflicht-Plattform.

4. Bundesland-eigene Portale

Jedes Bundesland betreibt mindestens ein eigenes Vergabeportal:

  • evergabe.NRW
  • Vergabeplattform Sachsen
  • eVergabe Bayern
  • Vergabeplattform Berlin
  • usw.

Diese laufen meist parallel zu den überregionalen Plattformen — manche Bundesländer verlangen, dass eigene Bekanntmachungen zusätzlich auf TED oder service.bund.de erscheinen, andere nicht.

5. Kommunale Eigenportale

Größere Städte wie Hamburg, München und Berlin betreiben eigene Vergabeportale für kommunale Aufträge. Mittelstädte nutzen meist eines der überregionalen Portale oder eines des Bundeslandes.

Suchstrategien: Filter sind das Werkzeug

Wer alle Portale parallel überwacht, bekommt pro Tag dreistellige Trefferzahlen. Filter machen das nutzbar.

CPV-Codes — das Werkzeug für Gewerke

Der CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) ist ein 8-stelliger Klassifikationscode für jede Vergabe. Die wichtigsten für Bau:

CPV Bereich
45000000 Bauleistungen (Sammelcode)
45100000 Vorbereitung der Baustelle, Erdarbeiten
45200000 Hochbau, Tiefbau, Brückenbau
45210000 Bau von Gebäuden
45220000 Tief- und Wasserbau
45300000 Bauinstallation (TGA)
45400000 Baufertigstellung (Ausbau)
45500000 Vermietung von Baumaschinen

Wer als reiner Tiefbauer arbeitet, filtert auf 45220000 und Unterklassen. Wer im TGA-Bereich tätig ist, auf 45300000 und Untergruppen. Wer ein Generalunternehmer ist, deckt die Hauptgruppen 45200000 und 45400000 ab.

NUTS-Codes — das Werkzeug für Regionen

NUTS-Codes klassifizieren EU-Regionen auf drei Ebenen:

  • NUTS-1: Bundesländer (z. B. DE5 = Bremen, DE7 = Hessen)
  • NUTS-2: Regierungsbezirke
  • NUTS-3: Kreise und kreisfreie Städte (z. B. DEA22 = Köln)

Wer nur in einem Radius von 100 km um den Firmensitz arbeiten will, filtert auf die zugehörigen NUTS-3-Codes. Bei TED gehört NUTS in jede Auftragsbekanntmachung; bei nationalen Portalen ist es weniger standardisiert.

Auftragswert — das Werkzeug für Bid-Kapazität

Ein Mittelständler mit 80 Mitarbeitern bewirbt sich nicht sinnvoll auf einen 200-Mio.-€-Tunnel. Auftragswert-Filter sind das einfachste Werkzeug zur Vor-Sortierung. Faustregel: typischer Bewerbungsbereich liegt zwischen 1× und 4× des eigenen Jahresumsatzes in vergleichbaren Bauleistungen. Darunter zu klein für effizienten Aufwand; darüber Eignungs-Probleme.

Frist-Filter — das Werkzeug für Verfügbarkeit

Bewerbungen mit weniger als 14 Tagen Restfrist sind in der Praxis nur bei vorbereiteten Bauunternehmen sinnvoll. Filter auf "mindestens 21 Tage bis Submission" sortiert die unbearbeitbaren Aufträge aus.

Häufige Probleme bei der manuellen Suche

Was tatsächlich Bewerber kostet — in der Reihenfolge der Häufigkeit:

  • Aufträge tauchen zu spät auf. Manche Aggregatoren verzögern Bekanntmachungen um ein bis drei Tage. Bei kurzen Fristen ist das genug, um die Bewerbung unmöglich zu machen.
  • Duplikate. Dieselbe Ausschreibung erscheint auf TED, dem Bundeslandportal und einer überregionalen Plattform. Wer Anbieterprofile auf mehreren Portalen parallel pflegt, erhält drei E-Mails für denselben Auftrag.
  • CPV-Codes werden inkonsistent vergeben. Eine Schulneubau-Ausschreibung wird mal als 45210000 (Gebäudebau) klassifiziert, mal als 45214200 (Schulbauten), mal als 45000000 (allgemein). Wer nur einen Code abonniert, verpasst die anderen Klassifikationen.
  • Bundesland-Portale haben unterschiedliche Suchfunktionen. Manche erlauben CPV-Filter, andere nicht. Manche bieten RSS, andere nur E-Mail-Alerts. Konsistente Suchprofile über alle Portale hinweg sind in der Praxis kaum machbar.
  • Eignungsprüfung wird erst beim Treffer durchgeführt. Wer 30 Treffer pro Woche bekommt und jeden manuell auf Mindestumsatz, Referenzanforderungen, geforderte Versicherungssummen prüft, verbringt mehr Zeit mit Vorsortierung als mit Kalkulation.

Wie brixl die Suche zentralisiert

brixl ist die KI-Plattform für die deutsche Baubranche, die Bauausschreibungen aus allen öffentlichen Portalen aggregiert und mit nachvollziehbarer KI qualifiziert. Praktisch heißt das: TED, service.bund.de, DTVP, subreport, Vergabe24, die Bundesland-Portale und größere Kommunalportale laufen in eine Trefferliste zusammen. Duplikate werden automatisch deduped. Jede Ausschreibung kommt mit CPV-Code, NUTS-Region, geschätztem Auftragswert und allen Fristen — direkt sichtbar, ohne PDF zu öffnen.

Wer ein Firmenprofil in brixl hinterlegt (Gewerke, Auftragsvolumen-Bereich, Region, Eignungs-Eckwerte), bekommt nicht alle Treffer, sondern nur die, bei denen Eignungsanforderung und Firmenprofil zusammenpassen. Die Vorsortierung passiert vor dem ersten Klick.

Wer einen Treffer hat, prüft danach zwei Dinge: ob der Auftragswert über oder unter den EU-Schwellenwerten liegt — und welche Eignungsnachweise der Auftraggeber verlangt.

Häufige Fragen

Gibt es ein zentrales Portal für alle öffentlichen Bauausschreibungen in Deutschland? Nein. Bauausschreibungen verteilen sich auf eine zweistellige Zahl öffentlicher Vergabeportale plus zahlreiche Bundesland- und Kommunalplattformen. EU-weite Bekanntmachungen erscheinen zusätzlich auf TED. Eine vollständige Übersicht über alle veröffentlichten Aufträge gibt es nur über Aggregatoren oder durch manuelle Überwachung jedes einzelnen Portals.

Was ist der CPV-Code und wofür braucht man ihn? Der CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) ist ein 8-stelliger EU-weiter Klassifikationscode für jeden öffentlichen Auftrag. Beispiele: 45000000 (Bauleistungen allgemein), 45200000 (Hoch- und Tiefbau), 45300000 (Gebäudeinstallation/TGA). Wer Suchprofile auf bestimmte CPV-Codes setzt, filtert präzise auf das eigene Gewerk.

Was ist der Unterschied zwischen TED und service.bund.de? TED ist die EU-weite Plattform für Bekanntmachungen oberhalb der EU-Schwellenwerte — Pflicht für Bauleistungen ab 5.404.000 € netto (2026/2027). service.bund.de ist das zentrale Portal des Bundes für Bekanntmachungen aller Bundesbehörden, unabhängig vom Auftragswert. Landesvergaben erscheinen auf TED nur, wenn sie oberhalb der EU-Schwelle liegen.

Welche regionalen Portale gibt es? Jedes Bundesland betreibt mindestens ein eigenes Vergabeportal — etwa evergabe.NRW, Vergabeplattform Sachsen, eVergabe Bayern. Hinzu kommen interkommunale Portale wie subreport ELViS oder Vergabe24, die Kommunalvergaben aus mehreren Bundesländern bündeln. Welche Portale relevant sind, hängt vom geografischen Aktionsradius des Bauunternehmens ab.

Wie viele Bauausschreibungen werden pro Jahr in Deutschland veröffentlicht? Über alle Wertgrenzen und Portale hinweg liegt die Zahl der jährlich öffentlich bekanntgemachten Bauausschreibungen im fünfstelligen Bereich. Allein im EU-Bereich (oberhalb 5,4 Mio. € netto) werden mehrere Tausend Bauausschreibungen aus Deutschland auf TED gemeldet. Unterhalb der EU-Schwelle ist die Zahl ein Vielfaches davon.

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