Leitfaden

Öffentliche Sanierungsausschreibungen finden: Leitfaden für Bauunternehmen 2026/2027

Öffentliche Sanierungsaufträge 2026 finden: GModG-Pflichten, § 3a VOB/A-Wertgrenzen, CPV-Codes und Eignungsanforderungen für Bauunternehmen.

Von , Veröffentlicht am 17.08.20266 Min. Lesezeit

Schul-Dach, Rathaus-Fassade, Kindergarten-Heizung: Viele Kommunen schreiben derzeit in einem Tempo Sanierungsmaßnahmen aus, das ihr Vergabeamt sichtlich überfordert. Der Grund ist keine Planungseuphorie, sondern ein Gesetzespaket, das Fristen setzt.

Seit Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das bisherige GEG 2024 ablöst. Es überführt die EU-Gebäuderichtlinie EPBD in deutsches Recht — und die Vorgaben für öffentliche Gebäude sind verbindliche Fristen, keine Empfehlungen.

Für Bauunternehmen, TGA-Betriebe und Sanierungsspezialisten bedeutet das: ein Auftragsvolumen, das über die nächsten Jahre rollt. Wer weiß, wo diese Ausschreibungen erscheinen und wie er sich dafür qualifiziert, ist früh dabei.

Was GModG und EPBD für öffentliche Gebäude bedeuten

Die EU-Gebäuderichtlinie EPBD verpflichtet Deutschland, den Nichtwohngebäudebestand schrittweise auf Mindeststandards zu heben:

  • Bis 2027: Nichtwohngebäude müssen mindestens Energieeffizienzklasse F erreichen. Das betrifft bundesweit zehntausende Schulen, Rathäuser, Feuerwachen und Verwaltungsgebäude — viele davon weit unter diesem Niveau.
  • Bis 2030: Klasse E als Mindestniveau. Die schlechtesten 16 % des Nichtwohngebäudebestands müssen bis dahin saniert sein.
  • Solarpflicht: Neue öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude über 250 m² müssen ab Ende 2026 mit Solartechnologie ausgestattet sein. Für bestehende öffentliche Gebäude gilt: über 2.000 m² bis Ende 2027, über 750 m² bis Ende 2028, über 250 m² bis Ende 2030.
  • Ab 1. Januar 2028: Öffentliche Neubauten nur noch als Nullemissionsgebäude zulässig.

Jede dieser Fristen steht am Ende einer Ausschreibung. Die Kombination aus EPBD-Anforderungen und der aktualisierten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) der KfW — die seit Juli 2026 KfW-Kredit bis zu 10 Millionen Euro je Vorhaben für Nichtwohngebäude umfasst — ermöglicht Kommunen deutlich größere Sanierungsprojekte als zuvor.

Wertgrenzen 2026: Welches Vergabeverfahren gilt für Sanierungsaufträge?

Seit dem 1. Januar 2026 gelten nach § 3a VOB/A neue Wertgrenzen für Bauvergaben (jeweils netto, ohne Umsatzsteuer):

Vergabeart Wertgrenze
Direktvergabe bis € 50.000
Freihändige Vergabe bis € 100.000
Beschränkte Ausschreibung (ohne Teilnahmewettbewerb) bis € 150.000
Nationale offene Ausschreibung bis EU-Schwelle € 5.404.000
EU-weites offenes Verfahren ab € 5.404.000

Für Sanierungsvorhaben bedeutet das in der Praxis: Wer eine Kita-Dämmung oder eine Schulheizung saniert, landet häufig im Bereich Beschränkte Ausschreibung oder Freihändige Vergabe — und damit auf keinem öffentlichen Portal. Nur ausgewählte Firmen werden eingeladen.

Einzelne Bundesländer haben eigene, teils höhere Schwellen. Berlin beispielsweise erlaubt beschränkte Ausschreibungen im Bereich Gebäudetechnik bis 200.000 Euro — deutlich über der Bundesgrenze. Es lohnt sich, die Landesvergabevorschriften des jeweiligen Zielmarkts zu kennen.

Für Bauunternehmen mit regionalem Schwerpunkt gilt: Sanierungsaufträge unterhalb € 150.000 kommen über persönliche Beziehungen und Bieterlisten. Alles darüber erscheint auf den öffentlichen Vergabeportalen — und dort beginnt die systematische Suche.

Wo öffentliche Sanierungsausschreibungen erscheinen

Oberhalb der EU-Schwelle (€ 5.404.000) müssen Auftraggeber auf TED (Tenders Electronic Daily) veröffentlichen. Darunter gilt das nationale Netz öffentlicher Vergabeplattformen:

  • DTVP (Deutsches Vergabeportal) — einer der größten nationalen Aggregatoren
  • subreport ELViS — stark in Mittelstaat und Kommunen
  • Vergabe24 — bundesweit genutzt
  • evergabe.nrw, vergabe.rib.de (Bayern), berlin.de/vergabeservice — Länderportale
  • service.bund.de — für Bundesbehörden verpflichtend

Das Problem: Kein einzelnes Portal listet alle Sanierungsausschreibungen vollständig. Wer mehrere Bundesländer bedient oder gezielt nach EPBD-relevantem Sanierungsvolumen sucht, muss ein fragmentiertes Netz manuell überwachen.

CPV-Codes für die gezielte Suche

Alle öffentlichen Vergabeplattformen erlauben Suche nach CPV-Codes (Common Procurement Vocabulary). Diese Codes filtern Sanierungsleistungen am treffsichersten:

CPV-Code Leistungsbereich
45453100-8 Sanierungsarbeiten (allgemein)
45321000-3 Wärmedämmarbeiten
45331000-6 Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagenarbeiten (TGA)
45261215-4 Solaranlageninstallationen (Dach)
45312310-3 Brandschutzinstallation
45210000-2 Bauarbeiten für Gebäude (bei Vollsanierungen)

Wer diese Codes als Daueralert auf den wichtigsten Portalen eingerichtet hat, bekommt neue Sanierungsausschreibungen täglich — statt sie wöchentlich manuell zu durchsuchen.

Wie Sie sich als Bieter qualifizieren

Energetische Sanierung ist kein Standard-Hochbauauftrag. Öffentliche Auftraggeber verlangen bei GModG- und EPBD-relevanten Projekten häufig spezifische Eignungsnachweise:

  • Referenzen energetischer Sanierungen: Vergleichbare Projekte (Dämmung, Heizungstausch, Solaranlage) der letzten drei bis fünf Jahre mit Auftragswert und Auftraggeber. Je näher die Referenz am ausgeschriebenen Leistungsbild liegt, desto stärker der Effekt.
  • Fachunternehmernachweis für Gebäudetechnik: DVGW-Zertifikat oder Installateur-Meisterbrief bei Heizungs- und Sanitärleistungen.
  • Energieeffizienz-Kompetenznachweise: Bei Komplettsanierungen verlangen größere Auftraggeber teils den Nachweis, dass ein zertifizierter Energieberater eingebunden ist.
  • Präqualifizierung (PQ-VOB): Wer regelmäßig in mehreren Kommunen bietet, spart mit einer PQ-VOB-Eintragung erheblich Aufwand — Eignungsnachweise müssen nicht bei jeder Ausschreibung neu zusammengestellt werden.

Eine ausführliche Übersicht, welche Nachweise in welcher Vergabeart typisch gefordert werden, finden Sie im Artikel zu Eignungsnachweisen bei Bauausschreibungen.

Bei Ausschreibungen unterhalb der EU-Schwelle (also dem Großteil der kommunalen Sanierungsprojekte) gibt es oft keine standardisierte Eignungsprüfung. Der Auftraggeber wählt aus seiner Bieterliste. Wer dort steht, bekommt Einladungen — ohne Portal-Hopping.

Strategisch positionieren: Tipps für den Sanierungsmarkt

Bieterlisten aktiv nutzen. Kommunen führen für beschränkte Ausschreibungen eigene Listen. Eine gezielte Bewerbung beim zuständigen Hoch- oder Tiefbauamt — mit Referenzen und Leistungsübersicht — kann dazu führen, dass Sie bei jedem passenden Vorhaben automatisch eingeladen werden.

Frühzeitige Signale erkennen. BEG-Förderanträge bei der KfW laufen dem Vergabeverfahren voraus. Wenn eine Gemeinde eine KfW-Förderzusage für ihr Rathaus hat, folgt die Ausschreibung einige Monate später. Wer das lokale Fördergeschehen im Blick behält, kennt die Pipeline frühzeitig.

Bietergemeinschaften vorbereiten. Viele öffentliche Sanierungsaufträge umfassen mehrere Gewerke gleichzeitig: Dämmung, Heizungstausch und Solaranlage werden in einem Paket ausgeschrieben. Wer rechtzeitig eine Bietergemeinschaft mit einem TGA-Betrieb oder einem Dachdeckerbetrieb bildet, kann solche Gesamtpakete anbieten — und damit Auftragswerte ansprechen, die ein Einzelbetrieb allein nicht abdecken kann.

Bundesland-Förderprogramme auf dem Radar halten. Neben BEG gibt es Landesprogramme, die Sanierungsvolumen in bestimmten Regionen überproportional ankurbeln. Das Rheinische Revier etwa hat ein spezifisches Förderprogramm für kommunale Gebäudesanierung — wer in NRW aktiv ist, findet dort Auftragsvolumen, das über die regulären Bundesausschreibungen hinausgeht.

Wie brixl bei Sanierungsausschreibungen hilft

brixl ist die KI-Plattform für die deutsche Baubranche, die Bauausschreibungen aus allen öffentlichen Portalen aggregiert und mit nachvollziehbarer KI qualifiziert. Für Sanierungsunternehmen heißt das: tägliche Überwachung relevanter CPV-Codes über alle Länderportale hinweg, mit Filterung nach Region, Gewerk und Auftragsgröße — statt manuelles Portal-Hopping über DTVP, subreport, evergabe.nrw und ein Dutzend weitere Plattformen.

Wenn die EPBD-Fristen und das GModG in den nächsten Jahren mehr Sanierungsvolumen in die öffentliche Vergabe treiben, wächst auch der Wettbewerb um einzelne Lose. Die Marktanalysen von brixl helfen dabei zu verstehen, welche Kommunen und Landkreise aktuell besonders viel Sanierungsvolumen vergeben, wer dort regelmäßig den Zuschlag erhält — und wo Bietergemeinschaften oder gezieltes Netzwerken die sinnvollere Strategie sind als der nächste Portalabgleich.

TGA-Unternehmen finden weitere Hinweise zu spezialisiertem Ausschreibungsvolumen im Artikel TGA-Ausschreibungen finden.

Häufige Fragen zu Sanierungsausschreibungen

Welche CPV-Codes decken energetische Sanierungsarbeiten ab?

Die wichtigsten Codes sind 45453100-8 (Sanierungsarbeiten allgemein), 45321000-3 (Wärmedämmarbeiten), 45331000-6 (Heizungs-/Lüftungsarbeiten) und 45261215-4 (Solaranlageninstallationen). Bei Vollsanierungen ergänzt 45210000-2 (allgemeiner Hochbau) die Suche. Die Codes funktionieren auf TED und allen nationalen Vergabeplattformen als Suchfilter.

Müssen öffentliche Gebäude bis 2027 energetisch saniert werden?

Nicht vollständig. Das GModG und die dahinterstehende EPBD verpflichten öffentliche Nichtwohngebäude bis 2027 zu mindestens Energieeffizienzklasse F und bis 2030 zu Klasse E. Parallel gilt ab Ende 2026 eine Solarpflicht für neue öffentliche Gebäude, die sich bis Ende 2030 auf Bestandsgebäude ab 250 m² ausweitet.

Welche Wertgrenzen gelten nach § 3a VOB/A 2026?

Seit 1. Januar 2026: Direktvergabe bis € 50.000, Freihändige Vergabe bis € 100.000, Beschränkte Ausschreibung ohne Teilnahmewettbewerb bis € 150.000 — jeweils netto. Ab € 5.404.000 (EU-Schwellenwert Bauleistungen) ist ein EU-weites Verfahren auf TED Pflicht.

Gibt es Bundesförderung für die Sanierung öffentlicher Gebäude?

Ja. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) der KfW fördert energetische Sanierungen von Nichtwohngebäuden mit KfW-Kredit bis zu 10 Millionen Euro je Vorhaben. Die BEG-Bedingungen wurden im Juli 2026 aktualisiert. Diese Förderung ermöglicht Kommunen größere Sanierungspakete — was Bieter mit entsprechenden Kapazitäten direkt begünstigt.

Was ist der Unterschied zwischen Sanierungsauftrag und Instandhaltungsleistung?

Instandhaltung erhält ein Gebäude im bestehenden Zustand (Reparatur, Gleichteiltausch). Sanierung verbessert den energetischen oder baulichen Standard. Sanierungsaufträge liegen wertmäßig typischerweise höher, erfordern spezifischere Eignungsnachweise (Referenzen, Fachunternehmernachweise) und fallen bei Überschreitung der Wertgrenzen unter andere Vergabeverfahren als reine Instandhaltung.

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