Formblatt 216: Verzeichnis der im Vergabeverfahren vorzulegenden Unterlagen
Formblatt 216 listet abschließend, was mit dem Angebot abzugeben ist und was erst auf Verlangen – als Checkliste gelesen, mit den Folgen bei Lücken.
Fassung: VHB Bund, Ausgabe 2017 – Stand 2019 · Geprüft am 29.08.2026
Formblatt 216 kurz erklärt
Formblatt 216 ist die „Ergänzung der Aufforderung zur Angebotsabgabe“ und die wichtigste Seite der Vergabeunterlagen für Ihre Abgabe: Die Vergabestelle kreuzt darin an, welche Erklärungen, Angaben und Nachweise Sie mit dem Angebot einreichen müssen (Nr. 1) und welche erst auf gesondertes Verlangen fällig werden (Nr. 2). Damit setzt sie § 8 Abs. 2 Nr. 5 VOB/A um, wonach alle geforderten Unterlagen an zentraler Stelle abschließend anzugeben sind. Sie füllen das Formblatt nicht aus und reichen es nicht ein – es verbleibt bei Ihnen. Vorangekreuzt sind nur das Angebotsschreiben und das Leistungsverzeichnis mit Preisen; alles andere – 221/222, 233, 234, 235, 248, PQ-Nummer oder Eigenerklärung 124 – hängt vom Kästchen ab. Die Freizeilen sind kein Beiwerk: Dort trägt die Vergabestelle ein, was sie individuell verlangt. Wer Nr. 1 vollständig abarbeitet und Nr. 2 vorbereitet hat, erlebt bei der Nachforderung keine Überraschung.
Wann müssen Sie Formblatt 216 abgeben?
Die Vergabestelle legt 216 der Aufforderung 211 als Anlage A bei – „Anlagen, die beim Bieter verbleiben und im Vergabeverfahren zu beachten sind“. Das Kästchen ist in 211 nicht vorangekreuzt; in Nr. 3.1 („mit dem Angebot einzureichen“) und Nr. 3.4 („auf gesondertes Verlangen“) kann sie auf das Verzeichnis verweisen oder die Unterlagen direkt eintragen. 211 EU und 211 VS verwenden dieselben Verweise. Nr. 1 gliedert sich in Formblätter (1.1), unternehmensbezogene (1.2), leistungsbezogene (1.3) und sonstige Unterlagen (1.4); Nr. 2 ebenso für die Unterlagen auf Verlangen – dort stehen 126, 236, 223, die Bestätigungen zu den Eigenerklärungen (Referenzen, Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Registerauszüge, § 48b EStG, Berufsgenossenschaft), Produktdatenblätter und die Urkalkulation. Für die meisten Formblätter unter 1.1 gilt „bei Abgabe mehrerer Hauptangebote für jedes Hauptangebot“; bei 224, 233, 234 und 235 nur für die Hauptangebote, in denen der Sachverhalt vorkommt. Ob nachgefordert wird, steht nicht in 216, sondern in 211 Nr. 3.3.
Was Sie in Formblatt 216 eintragen
- Kopf: Vergabenummer, Datum, Baumaßnahme, Leistung – ausgefüllt von der Vergabestelle
- 1.1 Formblätter mit dem Angebot: Angebotsschreiben (vorangekreuzt), 221 oder 222, 224, 233, 234, 235, 248, Vertragsformular Instandhaltung, zwei Freizeilen
- 1.2 Unternehmensbezogene Unterlagen: PQ-Nummer im Angebotsschreiben oder Eigenerklärung 124 oder EEE
- 1.3 Leistungsbezogene Unterlagen: Leistungsverzeichnis mit Preisen (vorangekreuzt), Produktangaben in benannten Positionen
- 1.4 Sonstige Unterlagen: Nachweise zu Mindestanforderungen wie Datenblätter oder Muster
- 2.1 Formblätter auf Verlangen: 126 Sicherheitsauskunft, 236 Verpflichtungserklärung, 223 Aufgliederung der Einheitspreise
- 2.2 Bestätigungen der Eigenerklärungen: Referenznachweise, Beschäftigtenzahlen nach Lohngruppen, Gewerbeanmeldung und Registerauszüge, Insolvenzplan, Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Sozialkasse, Finanzamt und Berufsgenossenschaft, Freistellungsbescheinigung § 48b EStG
- 2.3 Produktdatenblätter benannter Fabrikate; 2.4 Urkalkulation (wird zur Preisprüfung geöffnet und wieder verschlossen)
- Keine Unterschriftszeile – das Formblatt wird nicht eingereicht
Was passiert, wenn Formblatt 216 fehlt oder falsch ist?
§ 13 Abs. 1 Nr. 4 VOB/A verlangt, dass Angebote die geforderten Erklärungen und Nachweise enthalten. Hat die Vergabestelle in 211 Nr. 3.3 die Nachforderung ausgeschlossen (§ 16a Abs. 3), ist ein Angebot ohne die unter Nr. 1 geforderten Unterlagen auszuschließen (§ 16 Abs. 1 Nr. 3). Sonst muss sie bei den Bietern, die für den Zuschlag in Betracht kommen, fehlende, unvollständige oder fehlerhafte unternehmensbezogene und fehlende oder unvollständige leistungsbezogene Unterlagen nachfordern (§ 16a Abs. 1) – aber nur solche, die mit dem Angebot vorzulegen waren; die Frist soll sechs Kalendertage nicht überschreiten, danach Ausschluss (§ 16a Abs. 4 und 5). Fehlende Preisangaben werden grundsätzlich nicht nachgefordert; nur bei unwesentlichen Positionen, die Wettbewerb und Rangfolge nicht berühren, darf ergänzt werden (§ 16a Abs. 2). Die Unterlagen unter Nr. 2 sind vorbehaltene Nachweise: Wer sie nach Anforderung nicht in der nach dem Kalender bestimmten Frist vorlegt, wird ausgeschlossen (§ 16 Abs. 1 Nr. 4). Das VHB Bayern geht in seinen Richtlinien zu 211 Nr. 3 weiter und sieht bei fehlenden leistungsbezogenen Unterlagen den Ausschluss ohne Nachforderung vor – eine Verwaltungsauffassung, die vom Wortlaut des § 16a abweicht.
Worauf Sie achten müssen
- 216 als einzureichende Unterlage behandeln. Es bleibt bei Ihnen; was abzugeben ist, steht in Nr. 1.
- Nr. 1 und Nr. 2 verwechseln. Was unter Nr. 2 steht, kommt erst auf Anforderung – aber dann in der gesetzten Frist, sonst Ausschluss. Bescheinigungen von Finanzamt, Sozialkasse und Berufsgenossenschaft lassen sich vorab beschaffen.
- Nur die vorangekreuzten Zeilen lesen. Die Freizeilen enthalten das, was die Vergabestelle individuell verlangt – Produktangaben, Datenblätter, Muster.
- Bei mehreren Hauptangeboten die Klammer übersehen: Angebotsschreiben, 221/222 und 248 je Hauptangebot.
- Auf die Nachforderung vertrauen. Sie gilt nur für Unterlagen aus Nr. 1, nur wenn 211 Nr. 3.3 sie nicht ausschließt, und nie für fehlende Preise.
Formblatt 216 nie wieder von Hand suchen
brixl liest Formblatt 216 aus den Vergabeunterlagen und macht daraus Ihre Abgabe-Checkliste: was mit dem Angebot muss, was auf Verlangen kommt, was die Vergabestelle in die Freizeilen geschrieben hat – und welche der Formblätter brixl aus Ihrem Firmenprofil schon vorausgefüllt hat.
brixl ist die KI-Plattform für die deutsche Baubranche, die Bauausschreibungen aus allen öffentlichen Portalen aggregiert und mit nachvollziehbarer KI qualifiziert. Zu jeder Ausschreibung sehen Sie, welche Formblätter gefordert sind, mit Verweis auf die Stelle in den Vergabeunterlagen — und Ihre Firmenangaben stehen schon drin.
Formblatt 216 nach Bundesland
| Vergabehandbuch | Besonderheit | Formular |
|---|---|---|
| Bund | Ausgabe 2017, Stand 2019, 2 Seiten, zwei Abschnitte (mit dem Angebot / auf Verlangen). Keine eigene Richtlinie zu 216. | Öffnen |
| Bayern | Stand Mai 2022, 4 Seiten, drei Abschnitte: 1 mit dem Angebot (zusätzlich 127 Bezug Russland, 2481 gebietseigene Pflanzen, 2491 Kinderarbeit), 2 Unterlagen zu den Zuschlagskriterien (z. B. Bauzeitenplan), 3 auf Verlangen (zusätzlich Geschäftsführerdaten, Selbstreinigung, Umsatzbestätigung durch Wirtschaftsprüfer). Die Richtlinien zu 211 Nr. 3 erläutern das Formblatt; Variante 2160.FLB für funktionale Leistungsbeschreibungen. | Öffnen |
Amtliche Quellen
- RichtlinieVHB Bund 2017, Lesefassung Stand 2023 (BMWSB / fib-bund.de)
- Amtliches FormblattVHB Bund 2017, Teil 2 Vergabeunterlagen – Formblätter als PDF (ZIP, fib-bund.de)
- RichtlinieVHB Bayern, Ausgabe Oktober 2019 (fortgeschrieben bis Juli 2026), Gesamt-PDF
- RechtsgrundlageVOB/A 2019, Abschnitte 1–3 (nichtamtliche Fassung, fib-bund.de)
Verbindlich ist immer das Formblatt aus den Vergabeunterlagen der jeweiligen Ausschreibung — nicht der Download hier.
Häufige Fragen
Muss ich Formblatt 216 mit dem Angebot zurückschicken?
Nein. Es ist eine Anlage, die beim Bieter verbleibt. Sie arbeiten die unter Nr. 1 angekreuzten Unterlagen ab und legen sie dem Angebot bei; die unter Nr. 2 halten Sie für die Anforderung bereit.
Werden fehlende Unterlagen aus Nr. 1 nachgefordert?
Nur wenn die Vergabestelle die Nachforderung nicht in 211 Nr. 3.3 ausgeschlossen hat, nur bei Bietern, die für den Zuschlag in Betracht kommen, und nur für Unterlagen, die mit dem Angebot vorzulegen waren (§ 16a VOB/A). Die Frist soll sechs Kalendertage nicht überschreiten. Fehlende Preise werden grundsätzlich nicht nachgefordert.
Was ist der Unterschied zwischen unternehmens- und leistungsbezogenen Unterlagen?
Unternehmensbezogen sind Eignungsangaben über Ihren Betrieb – Eigenerklärung 124, PQ-Nummer, Bescheinigungen. Leistungsbezogen sind Angaben zur angebotenen Leistung – das bepreiste Leistungsverzeichnis, Produktangaben, Datenblätter. § 16a VOB/A behandelt beide bei der Nachforderung; das VHB Bayern sieht bei leistungsbezogenen Unterlagen den Ausschluss vor.
30 Minuten mit dem Gründer
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Bringen Sie eine Ausschreibung mit, die Sie gerade bearbeiten. Wir zeigen live, welche Formblätter sie verlangt, was brixl vorausfüllt und wo Sie noch selbst ran müssen.
Gehört dazu
- Formblatt 213 · Angebotsschreiben
- Formblatt 124 · Eigenerklärung zur Eignung
- Formblatt 221 · Preisermittlung bei Zuschlagskalkulation
- Formblatt 233 · Verzeichnis der Nachunternehmerleistungen
- Formblatt 235 · Verzeichnis der Leistungen/Kapazitäten anderer Unternehmen
- Glossar · Vergabeunterlagen
- Glossar · Eignungsnachweise
- Glossar · Angebotsfrist
Weitere Formblätter
- Formblatt 127 · Erklärung Bezug Russland (Art. 5k VO (EU) 833/2014)
- Formblatt 222 · Preisermittlung bei Kalkulation über die Endsumme
- Formblatt 223 · Aufgliederung der Einheitspreise
- Formblatt 224 · Angebot Lohngleitklausel
- Formblatt 225 / 225a · Stoffpreisgleitklausel
- Formblatt 226 · Mindestanforderungen an Nebenangebote
- Formblatt 234 · Erklärung Bieter-/Arbeitsgemeinschaft
- Formblatt 236 · Verpflichtungserklärung anderer Unternehmen
- Formblatt 248 · Erklärung zur Verwendung von Holzprodukten
- Formblatt 421 · Bürgschaftsurkunde Vertragserfüllungsbürgschaft
- Formblatt 422 · Bürgschaftsurkunde Mängelansprüchebürgschaft
- Formblatt 444 · Referenzbescheinigung
- Das Formular 513 EU · Besondere Vertragsbedingungen des Landes NRW zur Einhaltung des TVgG NRW
- Die KEV-Vordrucke · Kommunale Einheitliche Vordrucke (KVHB-Bau)
- Die Tariftreueerklärung · Tariftreue- und Mindestentgelt-Erklärungen (Länder-Formulare)